Einweihung Gedenktafel Hoheneck


"Inhaftierte Frauen in Hoheneck – inhaftierte Männer in Cottbus - ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte"

Am Samstag, den 7. September 2019, um 14:00 Uhr hat das Menschenrechtszentrum Cottbus zur Einweihung einer Gedenktafel über das Frauenzuchthaus Hoheneck im Hof der Gedenkstätte (Bautzener Straße 140, Cottbus) mit einem Rahmenprogramm eingeladen. "Hoheneckerin" war bis 1989 Synonym für politisch inhaftierte Frauen im größten Frauengefängnis der DDR in der sächsischen Kleinstadt Stollberg. Frauen, die lediglich ihre Menschen- und Freiheitsrechte in Anspruch nahmen, mussten zusammen mit Gewaltverbrecherinnen, Mörderinnen und sogar KZ-Aufseherinnen aus der NS-Zeit mehrere Jahre Haft unter menschenunwürdigen Bedingungen ertragen. Wie alle Häftlinge in der DDR mussten sie in der Haft arbeiten, sogar in Hoheneck im Dreischichtsystem. Sie produzierten Strümpfe für ESDA Thalheim oder Bettwäsche für Planet Eppendorf, die diese Produkte in die Bundesrepublik exportierten. Für ihre Zwangsarbeit bekamen sie aber nur so viel Geld ausbezahlt, das gerade einmal für Zahnpasta, Seife und andere Toilettenartikel ausreichte.

Zwischen den beiden Gefängnissen in Hoheneck und in Cottbus bestand ein enger Zusammenhang. Während aus politischen Gründen verfolgte Frauen häufig in Hoheneck inhaftiert waren, verbüßten ihre Ehemänner ihre Haftstrafe oft im Zuchthaus Cottbus. Beispielsweise Elke und Thomas Schlegel: "Mein Mann und ich wurden verhaftet, nur um wie Frischfleisch verkauft zu werden", erklärt Elke Schlegel, die Initiatorin der Gedenktafel, die fünf Monate und 24 Tage in Haft war. Ihr Mann verbrachte sieben Monate in Cottbuser Haft. Das Paar hatte bereits eine Ausreisegenehmigung und saß buchstäblich auf gepackten Koffern, als die Behörden 1984 die Ausreisegenehmigung zurückzogen und die Staatssicherheit das Ehepaar verhaftete. Schon lange gibt es Hinweise darauf, dass die DDR Anfang der 1980er Jahre Häftlinge "produzierte", um ihre drohende Zahlungsunfähigkeit auch mit den Devisenerlösen aus dem Verkauf politischer Häftlinge an die Bundesrepublik abzuwenden. Wurden Elke und Thomas Schlegel wie viele andere womöglich nur deshalb verhaftet, um an die dringend benötigten Devisen zu gelangen?

Nach der Einweihung der Gedenktafel für die Hoheneckerinnen fand eine Podiumsdiskussion mit Betroffenen und Experten statt. Christel Kurth war 1984 in Hoheneck inhaftiert, ihr Mann Claus in Cottbus. Als Betroffene hat sie von ihren Erlebnissen in der Haft berichtet, während Sebastian Lindner, der über das Frauenzuchthaus Hoheneck seine Dissertation schreibt, zur historischen Einordnung beigetragen hat. Bianca Eichhorn von der Stadt Stollberg berichtete über den aktuellen Stand der Entstehung der "Gedenkstätte Frauenzuchthaus Hoheneck". Die Veranstaltung fand mit der Lesung von Barbara Große aus ihrem Buch "Aus der DDR-Diktatur in die Mainzer Freiheit" ihren Abschluss. Barbara Große war 1983-1984 wegen "landesverräterischer Agententätigkeit" für 2,5 Jahre in Hoheneck inhaftiert, bevor sie im März 1984 im Rahmen des Häftlingsfreikaufs von der Bundesrepublik freigekauft wurde.

Impressionen

Ein weißes Tuch wird von der Gedenktafel gezogen
ein Mann und eine Frau stehen stolz vor der Gedenktafel
Gesamtaufnahme der Gedenktafel
zwei blaue Clipboards mit Bildern von Hoheneck
eine Frau sitzt an einem Pult uns liest aus einem Buch